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Infrarotfenster für die präzise berührungslose Temperaturmessung

Infrarotfenster sind wellenlängenabhängig, das heißt, ihre Materialien begrenzen den nutzbaren Spektralbereich. In einigen Fällen müssen Temperaturmessungen durch ein Sichtfenster erfolgen, beispielsweise bei geschlossenen Reaktionskammern, Öfen oder Vakuumsystemen.

Diese speziellen Fenster dienen als transparente Schnittstellen und ermöglichen es Wärmebildkameras und Infrarotthermometern, genaue Messwerte zu erfassen, ohne direkten Zugang zur Oberfläche des Messobjekts zu benötigen. Durch die Auswahl des richtigen Materials und Designs können Ingenieure und Wissenschaftler eine zuverlässige Datenerfassung sicherstellen und gleichzeitig die strukturelle Integrität und Sicherheit der geschlossenen Umgebung gewährleisten.

Der Transmissionsgrad dieses Fensters muss mit der spektralen Empfindlichkeit des Sensors übereinstimmen. Quarzglas eignet sich aufgrund seiner thermischen Stabilität häufig für Hochtemperaturanwendungen. Für Messungen bei niedrigeren Temperaturen im Wellenlängenbereich von 8–14 μm, wie er in der langwelligen Infrarot-Thermografie üblich ist, werden dagegen Materialien wie Germanium, AMTIR oder Zinkselenid bevorzugt. Jedes Material weist unterschiedliche Transmissionseigenschaften auf. Antireflexbeschichtungen können die Transmissionseffizienz deutlich erhöhen und in einigen Fällen einen Transmissionsgrad von bis zu 95 % ermöglichen. Jeder Transmissionsverlust muss jedoch bei der Kalibrierung kompensiert werden. Wenn der Hersteller genaue Transmissionsdaten für den relevanten Wellenlängenbereich bereitstellt, können diese direkt im Messaufbau berücksichtigt werden. Andernfalls kann eine empirische Bestimmung mithilfe einer Referenzquelle und eines Infrarotthermometers erforderlich sein. Die Software kann diese Korrektur vornehmen, wenn der Hersteller den genauen Transmissionsgrad für die jeweilige Wellenlänge angibt. Optisch transparente Materialien, die sowohl sichtbares als auch infrarotes Licht transmittieren, sind bei Anwendungen von Vorteil, bei denen eine visuelle Ausrichtung erforderlich ist, beispielsweise bei der Positionierung eines Sensors innerhalb einer Vakuumkammer. Abbildung 1 zeigt den Transmissionsgrad einiger gängiger Fenstermaterialien bei einer Dicke von 3 mm.

Figure 1: Transmittance of some popular window materials. Results are simulated for window thickness of 3mm without any coating.
Figure 1: Transmittance of some popular window materials. Results are simulated for window thickness of 3mm without any coating.

Bei der Auswahl eines Fensters für die Infrarot-Temperaturmessung sollten neben der Wellenlängenkompatibilität und dem Transmissionsgrad mehrere weitere Faktoren berücksichtigt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die mechanische Festigkeit des Fensters, insbesondere in Umgebungen, in denen es Druckunterschieden, Vibrationen, hohen Temperaturen oder mechanischen Einwirkungen ausgesetzt sein kann. Die Dicke des Fensters muss ausreichend sein, um diesen Belastungen standzuhalten, ohne sich zu verformen oder zu brechen. Mit der folgenden Gleichung kann die Fensterdicke [math]\ t[/math] berechnet werden, die erforderlich ist, um einem Druckunterschied zwischen den gegenüberliegenden Seiten standzuhalten. Dies gilt für kreisförmige Fenster mit einem nicht abgestützten Radius sowie für rechteckige Fenster mit der Länge [math]l[/math] und der Breite [math]w[/math] bei einer gegebenen Bruchfestigkeit des Materials [math]MOR[/math]. Dabei entspricht der Faktor [math]K\ [/math] der Montageart und beträgt = 0,75 bei eingespannten Kanten, während nicht eingespannte Kanten [math]K=1.125[/math] entsprechen. Zusätzlich berücksichtigen Ingenieure einen Sicherheitsfaktor [math]SF[/math] zwischen 4…6.

Kreisförmige Fenster Rechteckige Fenster
[math]t=r\ \sqrt(P\ \bullet\ K\ \bullet\ SF/MOR)[/math] [math]t=l\bullet\ w\sqrt{P\ \bullet K\ \bullet\frac{SF}{2\bullet M\ O\ R\ \left(l^2+w^2\right)}}[/math]

Ingenieure müssen die mechanische Festigkeit des Fensters gegen seine optische Transmission abwägen. Dickere Fenster bieten eine höhere Robustheit, reduzieren jedoch aufgrund der stärkeren optischen Absorption den Transmissionsgrad. Dünnere Fenster verbessern dagegen die Lichttransmission, können jedoch eine geringere Langzeitbeständigkeit aufweisen. Aus messtechnischer Sicht ist eine möglichst hohe Transmission entscheidend, um eine hohe Signalqualität zu gewährleisten, während mechanische Anforderungen eine ausreichende Festigkeit verlangen, damit das Fenster den Betriebsbelastungen über die gesamte Lebensdauer der Anlage standhält. Abbildung 2 zeigt den Transmissionsgrad eines Materials bei unterschiedlichen Dicken. Die Abnahme des Transmissionsgrads hängt sowohl von der Wellenlänge als auch von der Dicke ab.

Figure 2: Exemplary transmittance for different thicknesses for Germanium without coating.
Figure 2: Exemplary transmittance for different thicknesses for Germanium without coating.

Another essential characteristic to consider when selecting an optical window for thermal or infrared applications is its maximum operating temperature. This parameter defines the highest temperature at which the material can reliably function without undergoing physical or chemical degradation. If the temperature in the application environment exceeds this threshold, the window may lose its transparency (becoming opaque), deform due to softening, or even crack and shatter as it becomes brittle. Such failures compromise the accuracy and reliability of temperature measurements and can damage the sensor or camera behind the window and pose safety risks in industrial settings. Therefore, choosing a window material with an adequate thermal tolerance is critical for long-term performance and system integrity.

Beyond material properties, the mechanical and environmental durability of the IR window must be considered. Impact resistance, dust and moisture protection, and mounting configurations (flange, screw-in, or hinged designs) all influence performance in real-world conditions.

Thermal expansion and resistance to thermal shock are also relevant, especially in high-temperature or rapidly changing thermal environments. A material that expands or contracts significantly with temperature changes can introduce stress fractures or misalign the optical path, potentially degrading measurement quality or damaging the sensor system. Surface quality and flatness are crucial for minimizing optical distortions and ensuring a consistent infrared transmission. Poor surface quality can scatter or reflect radiation in unintended ways, reducing the effective signal reaching the detector. In high-precision systems, even slight imperfections in surface polish or flatness can impact the accuracy of the measurement. Environmental durability is another key factor. The window material must resist environmental influences such as dust, moisture, and chemical exposure. In harsh or corrosive environments, certain materials may degrade over time or lose their optical properties, leading to inaccurate readings or failure. Proper sealing around the window is equally important to prevent contaminants from entering the optical path or the protected space behind the window.

The following table summarizes typical values of IR window materials.

Material IR-Wellenlänge [μm] Typische Transmission bei 3 mm Dicke [%] Maximale Betriebstemperatur [°C] Transmission im sichtbaren Spektrum Chemische Beständigkeit UHV-geeignet Ungiftig
Allgemein sichere Materialien
Hinweise Preis Materialeigenschaften
Elastizitätsmodul [GPa] Dichte [g/cm³] Poissonzahl CTE [10⁻⁶/°C] MOR
[MPa]
Amorph 0.7 – 13 70 300 Nein Mittel Ja Geringe Toxizität (enthält Ge-Verbindungen; zerbrechlich) Chalkogenidglas, spröde, breitbandiges IR-Glas Hohe Kosten, Spezialmaterial 25 4,4 0,28 20,0 30–50
Al₂O₃ 1 – 4 85 1800 Ja Sehr gut Ja Ungiftig Einkristall, hohe Härte Sehr hohe Kosten, Präzisions-IR-Optik 400 3,98 0,25 5,0 300–700
BaF₂ 2 – 5.1 90 500 Ja Gering Ja Potenziell toxisch (Bariumionen; schädlich bei Verschlucken oder Einatmen) Relativ weich, spaltbar, großer Transmissionsbereich Hohe Kosten, Spezialmaterial 53 4,89 0,34 18,1 30–50
CaCO₃ 0.2 – 3.2 75 600 Ja Mittel Ja Ungiftig Sehr spröde, leicht spaltbar, doppelbrechend, Polarisationsoptik Hohe Kosten, Spezialmaterial 70 2,71 0,16 25,0 10–30
CaF₂ 2 – 8 92 600 Ja Gering Ja Ungiftig Mittlere Festigkeit, empfindlich gegenüber Temperaturschocks, niedriger Brechungsindex Mittlere Kosten 75 3,18 0,26 18,85 40–70
CsI 0.25 – 55 85 350 Ja Schlecht Ja Mittlere Gefährdung (Cäsium- und Iodidverbindungen können in löslicher Form toxisch sein) Sehr weich, hygroskopisch, sehr großer Transmissionsbereich Hohe Kosten, Spezialmaterial 12 4,51 0,28 55,0 10–20
Ge 2 – 16 50 100 Nein Gut Ja Ungiftig Spröde, abhängig von der Kristallorientierung, hoher Brechungsindex Sehr hohe Kosten, Präzisions-IR-Optik 102 5,32 0,28 6,1 70–120
TlBrI 1 – 14 90 75 Ja Gut Ja Toxisch (enthält Thallium, das hochgiftig und reguliert ist) Weich, geringe mechanische Festigkeit, breitbandiges IR Extrem hohe Kosten, eingeschränkt 15 7,37 0,41 37,4 15–30
LiF 0.15 – 6 91 600 Ja Schlecht Ja Leicht toxisch (bei Verschlucken oder Einatmen von Staub) Spaltbar, empfindlich gegenüber Temperaturschocks, UV bis IR Mittlere Kosten 64 2,64 0,25 37,0 40–80
MgF₂ 0.12 – 6 94 1000 Ja Ausgezeichnet Ja Ungiftig Robust, für raue Umgebungen, mittlere Festigkeit, für Beschichtungen verwendet Mittlere Kosten 138 3,18 0,27 13,7 80–120
NaCl 0.25 – 16 92 800 Ja Schlecht Ja Ungiftig Sehr weich, hygroskopisch, großer Transmissionsbereich Niedrige Kosten 30 2,17 0,25 45,0 10–20
Si 1.5 – 8 52 200 Nein Sehr gut Ja Ungiftig Spröde, aber fester als Ge, geringes Gewicht Mittlere Kosten 130 2,33 0,28 2,6 100–200
SiO₂ 1 – 2.5 93 900 Ja Sehr gut Ja Ungiftig (Einatmen von Staub ist gesundheitsschädlich) Amorph, gute Temperaturschockbeständigkeit, geringe Wärmeausdehnung Niedrige Kosten, weit verbreitet 73 2,2 0,17 0,55 50–100
ZnS 2 – 14 75 250 Ja Gut Ja Geringe Toxizität (Einatmen von Staub vermeiden) Multispektrale Qualität ist fester als Standardqualität, hoher Brechungsindex Hohe Kosten, Spezialmaterial 74 4,09 0,28 7,85 70–100
ZnSe 2 – 14 70 250 Ja Gut Ja Potenziell toxisch (Selenverbindungen; Exposition gegenüber Staub oder Dämpfen vermeiden) Weicher als ZnS, IR-durchlässig, geringe Absorption Sehr hohe Kosten, Präzisions-IR-Optik 70 5,27 0,28 7,1 50–80

Summary

  • Infrarotfenster müssen auf die spektrale Empfindlichkeit des Sensors abgestimmt sein
  • Dickere Fenster halten Druck und Vibrationen stand, verringern jedoch die Durchlässigkeit; dünnere Fenster optimieren die Signalqualität, bergen jedoch Risiken hinsichtlich der Haltbarkeit.
  • Maximale Betriebstemperaturgrenzen verhindern eine Verschlechterung (z. B. Rissbildung, Trübung).
  • Eine unterschiedliche Wärmeausdehnung im Vergleich zur Befestigungstechnik kann zu Spannungen führen; Materialien mit niedrigem CTE (z. B. Quarzglas) werden für Umgebungen mit hohen ΔT-Werten bevorzugt.
  • Die Oberflächenqualität (λ/4-Ebenheit, <60-40 Kratz- und Vertiefungsgrad) minimiert Wellenfrontverzerrungen und Streuung.
  • Chemische Beständigkeit und Abriebfestigkeit: Beschichtungen (z. B. diamantähnlicher Kohlenstoff auf Ge) schützen vor korrosiven oder partikelhaltigen Umgebungen.
  • Transmissionskorrektur: Erfordert entweder:
    • Vom Hersteller bereitgestellte spektrale Transmissionsdaten (Eingabe in die Sensorsoftware).
    • Empirische Kalibrierung unter Verwendung eines Schwarzkörper-Referenzkörpers und eines bekannten IR-Thermometers.

Sources

  1. Hecht, Eugene. Optik, Berlin, Boston: De Gruyter, 2018. https://doi.org/10.1515/9783110526653

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