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Optris IR Anwendungs- Banner Kunststoffspritzguss Fingerabdruck

Der „thermische Fingerabdruck“ – Spritzgießen im Fokus von Industrie 4.0

Online-Qualitätssicherung mittels Infrarot im Spritzguss

Herausforderung

Beim Spritzgießen treten häufig thermische Unregelmäßigkeiten auf, die Fehler wie Verzug, Maßabweichungen und Oberflächenfehler verursachen. Schlecht gewartete Kühlsysteme und asymmetrische Temperierung führen zu Hotspots, langen Zykluszeiten und hohen Ausschussraten, was die Bauteilqualität und Produktionseffizienz erheblich beeinträchtigt.

Lösung

Durch die Integration von Wärmebildtechnik in die Inline-Überwachung wird jedes Formteil unmittelbar nach der Entformung analysiert. Abweichungen vom thermischen Referenzprofil werden automatisch erkannt, wodurch Echtzeit-Feedback und Korrekturmaßnahmen möglich sind. Dieser Prozess ermöglicht die frühzeitige Fehlererkennung, verbessert die Prozesssichtbarkeit und unterstützt eine gleichbleibend hohe Produktqualität.

Vorteile

  • Früherkennung thermischer Unregelmäßigkeiten, um fehlerhafte Teile frühzeitig auszusortieren
  • Verkürzung der Zykluszeiten durch schnelle Identifikation und Behebung von Kühlungsproblemen
  • Unterstützt vorausschauende Wartung durch Erkennung sich entwickelnder Probleme wie blockierter Kühlkanäle
  • Minimierung von Ausschuss und Materialverschwendung durch präzise thermische Prozesskontrolle
  • Sicherstellung gleichbleibender Bauteilqualität und verbesserter mechanischer Eigenschaften über alle Produktionschargen hinweg
Kunststoffspritzguss Fingerabdruck PI IR Kamera

Konstante Qualität im Spritzguss durch thermische Überwachung und Prozessstabilität

Spritzgießen ist ein weit verbreitetes Fertigungsverfahren zur Herstellung komplexer Kunststoffteile in großen Stückzahlen. Dabei wird Kunststoffmaterial so weit erhitzt, bis es schmilzt, und anschließend unter hohem Druck in eine präzise ausgelegte Form eingespritzt. Im Werkzeug kühlt der Kunststoff ab und verfestigt sich, wodurch der Hohlraum ausgefüllt wird. Nach dem Abkühlen öffnet sich das Werkzeug, und das fertige Teil wird ausgeworfen.

Unkontrollierte und instabile Spritzgussprozesse sind die häufigsten Kostentreiber in der Produktion. Ein erheblicher Anteil aller bauteilbezogenen Fehler – wie unzureichende Maßhaltigkeit, Verzug, mangelhafte Oberflächenqualität, Gratbildung, Einfallstellen, stark schwankende Bauteilqualität oder zu lange Zykluszeiten – wird nach wie vor auf die Qualität und Einstellung der Werkzeugtemperierung während des Prozesses zurückgeführt.

Es ist allgemein bekannt, dass die Temperatur der entscheidende Parameter bei der Herstellung von Kunststoffteilen ist. Eine gleichbleibende Bauteilqualität beim Spritzgießen kann nur erreicht werden, wenn während des gesamten Prozesses ein thermisches Gleichgewicht herrscht. Etwa 60–70 % aller formteilbedingten Fehler lassen sich auf die Temperierung des Spritzgießwerkzeugs zurückführen.

Maßabweichungen und geringe mechanische Festigkeit entstehen durch übermäßige Temperaturdifferenzen in der Werkzeugwand, die häufig durch eine asymmetrische Anordnung der Kühlkanäle, unzureichende Wärmeabfuhr oder Überbrückungen in den Kühlkanälen verursacht werden.

Verzug des Formteils ist ebenfalls ein thermisches Problem. Er entsteht in der Regel durch ungleichmäßige Temperaturverteilung im Werkzeug, bedingt durch dieselben Faktoren wie Maßfehler – ungleichmäßige Kühlung, unzureichende Wärmeableitung oder fehlerhafte Kühlkanalgestaltung.

Oberflächenfehler wie glänzende oder matte Stellen, Schlieren oder Strukturabweichungen entstehen durch thermische Inhomogenitäten im Werkzeug, insbesondere in Bereichen von Einsätzen, Auswerferstiften, Dornen, Haltern, Rippen und Öffnungen. Unzureichend isolierte Heißkanalsysteme, untemperierte Formeinsätze und mangelhafte Wärmeabfuhr sind häufige Ursachen.

Zu lange Kühl- und Zykluszeiten entstehen durch schlecht konfigurierte Werkzeugtemperiersysteme, hohe Druckverluste im Temperierkreislauf oder Hotspots im Formteil aufgrund blockierter Kühlkanäle oder schlecht gewarteter Kühlanlagen. Diese Probleme werden häufig durch die Verwendung von unbehandeltem oder unzureichend aufbereitetem Wasser im Kühlsystem verstärkt.

Die Hauptmotivation für eine thermische Überwachung besteht daher darin, thermische Mängel und Prozessveränderungen sofort zu erkennen, sobald sie auftreten. Eine der schnellsten, effektivsten und präzisesten Methoden dafür ist die Infrarot-Thermografie.

Optris-Anwendung Spritzgießen

Optimierung des Spritzgießprozesses durch Inline-Thermoüberwachung und intelligente Softwareintegration

Die Temperatur im Spritzgießprozess variiert je nach Bauteil und Material, liegt aber typischerweise zwischen 120 °C und 320 °C. Diese Temperaturen sind zu niedrig für kurzwellige Infrarotkameras von Optris, weshalb eine langwellige Kamera wie die Xi400 oder Xi640 eingesetzt werden muss. Da die Kavitäten jedoch meist aus hochreflektierenden Materialien wie Edelstahl oder Aluminium bestehen, ist eine Überwachung mit einer Infrarotkamera bei geöffnetem Werkzeug oft nicht ideal. Parasitäre Reflexionen, Oberflächenstrukturen und Materialablagerungen können die Messwerte verfälschen. Eine effektivere Methode ist daher die Überwachung der Teile beim Austritt aus dem Werkzeug, wobei jedes Teil einzeln auf seine Temperatur überprüft wird. Die industrielle Wärmebildkamera erfasst ein Wärmebild, das über ein externes Signal der Maschine ausgelöst wird. Die PIX Connect-Software vergleicht anschließend diese Infrarotbilder (Ist-Zustand) mit gespeicherten Referenzbildern (Soll-Zustand). Jede erkannte Temperaturabweichung dient als Grundlage für eine Gut-/Schlecht-Entscheidung, die an das Handlingsystem zurückgemeldet wird.

Besonders kritische Bereiche des Formteils werden im Voraus definiert und als zu überwachende Zonen beschrieben. Überschreiten oder unterschreiten die Temperaturen in einer dieser Zonen einen festgelegten Wert, wird ein Alarm ausgelöst, der für weitere Prozessschritte genutzt werden kann – beispielsweise um fehlerhafte Bauteile automatisch auszusortieren. Der Bediener lernt, den Prozess „thermisch zu sehen“, sobald das Spritzgießverfahren eingerichtet ist, da die Entformungstemperatur und ihre Verteilung (thermischer Fingerabdruck) unmittelbar nach dem Anfahren der Anlage sichtbar werden.

Die Wärmebilder können zusätzlich mit komplexeren Softwarelösungen weiterverarbeitet werden. In Kombination mit dem IR-ThermoControl- oder dem IR-ThermalSystem-Online-Qualitätskontrollsystem – speziell für die Kunststoffverarbeitung entwickelt von der GTT Willi Steinko GmbH und der Plexpert GmbH – ist eine „Inline“-Erkennung thermischer Fehler direkt an ihrer Quelle im Spritzgießprozess möglich. Die PIX Connect-Software übermittelt die Wärmedaten an diese Systeme und fungiert als zentrale Schnittstelle, die Einrichtern, Prozesstechnikern und Qualitätsverantwortlichen ermöglicht, hochwertige Bauteile schnell, sicher und effizient herzustellen – bei gleichzeitiger Minimierung der Zykluszeiten. Um gezielte Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, ist es entscheidend, die Ursachen eventueller Abweichungen exakt zu identifizieren.

Diese Softwarelösungen liefern wertvolle Informationen, erkennen selbst sporadische Effekte und Trends wie leichte Temperaturanstiege während der Serienproduktion. Das System lässt sich in nur fünf Minuten an jeder Spritzgießmaschine installieren und bietet maximale Flexibilität und Verfügbarkeit. Die prozessorientierte Benutzerführung erleichtert die Definition von Kontrollgrenzen und identifiziert automatisch Temperaturabweichungen anhand eines Referenzbildsystems. So werden Unstimmigkeiten sofort erkannt. Das Qualitätsmodul IR-ThermoControl erfasst in jedem Zyklus ein Bild des Formteils, wobei das erste Gutteil als Referenzbild dient. Jede folgende Aufnahme wird mit diesem Referenzbild verglichen, und bei Abweichungen wird ein Alarm ausgelöst. Warnungen erfolgen anhand vordefinierter Ober- und Untergrenzen. Die Signale werden direkt an die Spritzgießmaschine oder das Handlingsystem übermittelt. Diese Technologie findet sowohl im 2K-Spritzguss als auch im kombinierten Schaum/Kompakt-Spritzgießen Anwendung.

Mit dem System können zudem Überfüllungen oder unvollständig gefüllte Bereiche am Formteil erkannt werden. Selbst Einfallstellen und blockierte Kühlkanäle lassen sich nachweisen – Letzteres ist besonders wichtig bei konturennaher Temperierung. Auch das Abkühlverhalten der Kunststoffteile nach der Produktion kann über die Zeit überwacht werden, wodurch mögliche Ursachen für Verzug in Hotspot-Bereichen ermittelt werden können. Bei Mehrkomponenten-Werkzeugen kann das System bestimmen, ob die erste Komponente ausreichend abgekühlt ist oder ob durch die zweite Komponente zusätzliche Wärme eingebracht wird, die zu Oberflächenfehlern führt.

Verbesserung der Formtemperaturregelung und vorausschauenden Wartung mit Wärmebildtechnik

Verbesserte Werkzeugtemperierung und vorausschauende Wartung durch Wärmebildtechnik

Diese Methode erkennt zuverlässig Störungen wie Hotspot-Bildung, Schwankungen von Durchflussrate und Temperatur bei der Werkzeugkühlung und -temperierung, Änderungen der Schmelztemperatur oder Viskosität sowie Variationen der Trocknungsbedingungen bei teilkristallinen Materialien. Ebenso können Störungen in der Heißkanalsteuerung, wechselnde Konvektionseinflüsse in der Produktionsumgebung – etwa Zugluft durch offene Hallentore – und die Zeit bis zur thermischen Prozessstabilität erfasst werden.

Zu den wesentlichen Vorteilen zählen die rechtzeitige Anpassung der Werkzeugtemperaturen, die Verbesserung der Produktqualität, die Verkürzung der Zykluszeiten und die Reduktion von Ausschuss, wodurch die Ausschusskosten sinken. Das System erzeugt zudem Alarme bei der Erkennung von Hotspots, was eine vorausschauende Wartung ermöglicht und hohe Instandhaltungskosten reduziert.

Neben seiner Effektivität und Nicht-Invasivität ist die Optris-Lösung äußerst effizient und kostengünstig. Infrarotkameras von Optris sind besonders praxistauglich, da sie sehr schnell sind. Mit bis zu 125 Hz Bildfrequenz bei der PI640i muss die Zykluszeit für Überwachungszwecke nicht reduziert werden. Die kostenfreie PIX Connect-Software bietet den Event-Grabber-Modus, mit dem getriggerte Einzelaufnahmen erstellt und Wärmebilder in einer Snapshot-Historie verglichen werden können. Darüber hinaus sind die Infrarotkameras robust, industrietauglich und verfügen über verschiedene Schnittstellen.

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